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| Jeder ist ver-käuflich |
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In grauer Vorzeit, ich glaube irgendwann in den siebziger Jahren, ging ein Aufschrei durch die Republik, weil ein Fußballverein sich erdreistete, Firmenwerbung auf die Trikots zu drucken. Glücklicherweise haben wir diese kleinlichen Kritteleien jetzt weit hinter uns gelassen. Die komplette Bundesliga gehört der T-Com! Ein Tor zu gigantischen Entwicklungsmöglichkeiten hat sich geöffnet. Waren es bisher ein paar lächerliche Stadien zu Firmen-Arenen umbenannt wurden, ist es jetzt die gesamte Liga. Ja, ich bin überzeugt, hier liegt die Zukunft. Man muss nur die letzten Hemmungen über Bord werfen und schon kann alles gesponsort werden. Öffentliche Einrichtungen leiden chronisch finanziellen Mangel. Die Wirtschaft ist da ein Heilsbringer. Natürlich können öffentliche Einrichtungen eine Menge lernen, durch Kooperationen profitieren und auch Sponsoring ist letztendlich nichts Verachtenswertes, wenn dabei keine Interessenskonflikte aufgebaut werden. Aber richtig spannend wird es erst bei der Namensgebung. AOL-Arena, Allianz-Arena, Veltins-Arena? Das ist doch alles Schnee von gestern. Die Zukunft gilt ganz anderen Kooperationen: Wie wäre es mit "Marlboro-Lungen-Klinikum Castrop-Rauxel - Come to where the flavour is!" oder "Berliner Bank Stadtrat Klein-Mariendorf" bzw. Microsoft-Bundestag? Im Urlaub gibt es den romantischen Toyota-Sonnenuntergang. Natürlich nur gegen Eintritt. Für den Rest der Welt wird der Himmel einfach verdunkelt. Nicht vorstellbar? Die Realität ist schon weiter: Die GEMA hat kürzlich an Wirte und Gartenhausbesitzer Gebührenbescheide für das Abspielen der Nationalhymne bei Übertragungen der Weltmeisterschaft geschickt. Sie sehen, selbst die Hymne unserer nationalen Identität gehört nicht dem Volke, sondern einer Verwertungsgesellschaft. Alles wird möglich wenn man nur dreist genug ist. Warum nicht auch als Privatmensch davon profitieren? Geld kann schließlich jeder gebrauchen. Schön ist beispielsweise die Vorstellung einer Geburtsanzeige wie dieser: Anne und Kai Helmlein sind stolz die Pampers-Geburt ihres Sohnes Kleenex Heinz Helmlein bekanntzugeben. Nein, keine Sorge, die Helmleins haben hier keinen allzu altmodischen Vornamen ausgewählt, sondern Zweitsponor ist ein bekannter Tomatendicksafthersteller. Und haben Sie schon mal überlegt, dass die Werbefläche auf einem Sarg durchaus nicht klein ist? "Das Maggi-Kochstudio wünscht Ihnen eine ergreifende Trauerfeier." Familienereignisse bekommen auf einmal eine ganz neue Qualität. Nur Verlierer, Verweigerer und lebensfremde Romantiker haben dann noch nicht die Namensrechte an ihren intimen Momenten verkauft. Nutella-Einschulung und Bacardi-Abitur gibt es schließlich schon länger, sie wurden bisher nur nicht so genannt. Sehen wir es endlich ein. Unser gesamtes Leben lässt sich bewirtschaften. Jeder ist ver-käuflich! |